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Warum engagiere ich mich im Rahmen des Center for World Philosophy and Religion und der neuen Philosophie des CosmoErotic Humanism? Und warum solltest Du es auch tun?

Gibt es nicht so viele andere „gute Zwecke“, die einfach mehr im Konkreten ansetzen? Was ist mit Klima-, Umwelt- und Naturschutz? Was mit der Integration von Flüchtlingen? Oder dem Aufbau einer nachhaltigen oder regenerativen Wirtschaft?

Warum engagiere ich mich nicht da?

Nun, zum einen tue ich das durchaus in meinem kleinen Rahmen, der mir möglich ist. Und für eine regenerative Wirtschaft engagiere ich mich auch durch meine Teilnahme am re:connect Inkubator für regeneratives Wirtschaften und meine dazugehörige Mitgliedschaft bei FiveP eG. 

Gleichzeitig sehe ich aber auch, dass all die existenziellen Krisen und Probleme, mit denen wir es als einzelne Menschen und als gesamte Menschheit gerade zu tun haben, eine gemeinsame Ursache haben. Wir nennen all diese Krisen gemeinsam deshalb auch die Meta-Krise (im Gegensatz zur Poly-Krise, die nur eine Ansammlung von gleichzeitigen Krisen bezeichnet, die nichts miteinander zu tun haben). Erst wenn wir die gemeinsame Ursache all dieser Krisen erkennen und in den Fokus nehmen, können wir den Hebel genau dort ansetzen. Und auch wenn inzwischen viele Menschen davon sprechen, so gibt es aus meiner Sicht bisher niemanden außer uns, die genau hier wirklich ansetzen.

 

Was ist also die gemeinsame Ursache für alle unsere Krisen?

Da ist zunächst einmal die Gewinn- und Verlust-Logik unserer Systeme, die auf Nullsummenspielen basieren. Und auf der anderen Seite sind es die komplizierten (statt komplexen) von Menschen gemachten Systeme.

 

Ein Beispiel für ein komplexes, selbst-organisierendes System ist der Regenwald im Amazonas, aber auch die Zellen unseres Körpers, die selbst-organisierend zusammenarbeiten. Ein Beispiel eines komplizierten Systems ist ein Ferrari. Wenn im Ferrari etwas kaputt geht, müssen wir von Außen eingreifen und ein Ersatzteil beschaffen. Und nie im Leben würden sich die verschiedenen Teile des Ferraris selbständig in die Form des Ferraris integrieren. Wenn im Körper dagegen etwas kaputt (= krank) ist, so setzen sofort Selbstheilungskräfte ein. Eine Wunde verheilt von selbst, wenn wir sie nicht ständig offen halten. Warum ist das so?

 

Was ist der Unterschied zwischen einem komplexen und einem komplizierten System?

In einem komplexen System gibt es eine Anziehung zwischen den Teilen, die miteinander kooperieren, um das größere Ganze zu bilden und aufrecht zu erhalten. Diese Anziehung und das Streben nach Kontakt und einer größeren Ganzheit bei gleichzeitiger relativer Autonomie der Teile nennen wir auch Eros oder Intimität.

 

Und die Meta-Krise beruht im tiefsten Sinn auf dem, was Dr. Marc Gafnis als  globale Intimitätsstörung bezeichnet. Wir können nur dann an einer Gewinn- und Verlust-Logik teilnehmen, wenn wir nicht (mehr) intim miteinander sind. Ich strebe danach zu gewinnen, auch wenn das bedeutet, dass Du verlierst – und damit verliert immer auch das Ganze.

 

Und die Grundlage dieser globalen Intimitätsstörung ist ein verzerrtes Weltbild - eine verzerrte gemeinsame Geschichte - und das nicht Erkennen unserer geteilten Grammatik der Werte.

Und hier sprechen wir nicht von einzelnen Werten, sondern von dem darunter liegenden Feld von Wert. So, wie ich in einer Sprache innerhalb derselben Grammatik die unterschiedlichsten Gedanken ausdrücken kann, so kann ich im selben Feld von Wert (und seiner ihm innewohnenden Grammatik) die unterschiedlichsten Werte vorfinden. Und das wird gerade in der heutigen Zeit von immer tieferer Polarisierung immer wichtiger. Denn im Feld von Wert sind die Gegensätze immer in einer dialektischen Spannung gehalten. Autonomie und Kommunion braucht es beide für eine gelingende Intimität, so wie es in einer Gesellschaft neben Freiheit auch immer Beschränkungen braucht.

 

Was meinen wir also, wenn wir im Center zum Beispiel von Eros und Intimität sprechen? Hier eine Definition:

Eros ist die Erfahrung von radikaler Lebendigkeit, die durch einen andauernden Prozess von Kreation und Zerstörung nach immer tieferem Kontakt und immer größer werdender Ganzheit und Wert strebt (sich danach sehnt, es begehrt, dorthin wächst, es verwirklicht).

 

Intimität ist geteilte Identität im Kontext von [relativer] Andersartigkeit, die durch gegenseitiges Erkennen und Fühlen sowie durch geteilten Sinn (Purpose) und Wert (Value) charakterisiert ist.

 

Eros und Intimität sind zwei der Ur-Prinzipien und Ur-Werte im Kosmos, die wir im Center bereits formuliert haben.

 

Was sind die Ur-Prinzipien und Ur-Werte des Kosmos?

Seit die Menschheit aus der Wiege der Natur und des Tierreichs entstiegen ist, hat sie begonnen, sich selbst Prinzipien zu geben. Und während sich diese Prinzipien im Laufe der Zeit - auf der Oberfläche - verändert haben, so ging es in der Tiefe immer um Gewinnen und Verlieren - genauer gesagt um Nullsummenspiele, bei denen immer jemand verlieren muss, damit ein*e andere*r gewinnen kann. Es ging um rivalisierende Konflikte zwischen Einzelnen und Kollektiven (z.B. der verschiedenen Stämme, Nationen, Religionsgemeinschaften).

 

Und Gewinnen konnte dabei im Laufe der Zeit vieles bedeuten: Überleben, Macht, Zugehörigkeit, Ansehen, Einfluss, Geld, etc. Während in der Prämoderne hauptsächlich Kollektive gegeneinander gekämpft haben (während man sich in der eigenen kleinen Gemeinschaft (Familie oder Stamm) noch der gegenseitigen Abhängigkeit bewusst war), kann die Moderne und Postmoderne immer mehr durch Nullsummenspiel von jedem und jeder gegen jede und jedem charakterisiert werden.

 

Dabei sind immer kompliziertere Systeme entstanden, bei denen - anders als bei den komplexen, selbstorganisierenden Systemen in der Natur - keine Anziehung zwischen den Teilen besteht, aus denen sie gemacht sind, und deshalb auch keine Selbstorganisation, Selbstheilung oder Selbsttransformation stattfindet. Und wie Dr. Marc Gafni auf so vielfältige Weise gezeigt hat, sind diese verzerrten Urprinzipien[1] das, was uns in den gegenwärtigen Zustand der Welt und die damit verbundenen existenziellen Krisen gebracht hat.

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit sind wir in der Lage zu erkennen und zu zeigen, was tatsächlich das ist, was Marc als die Ur-Prinzipien und Ur-Werte des Kosmos (First Principles and First Values of Cosmos) artikuliert, die die ganze Evolutionskette rauf und runter gültig sind. Und die haben mit Nullsummenspielen so gar nichts zu tun. Denn die wirklichen Werte des Kosmos sind immer unendlich und wachsen, wenn man sie teilt.

 

Und nicht nur das. Wie Dr. Marc Gafni es formuliert hat, so stehen dies Ur-Prinzipien und Ur-Werte des Kosmos im Zentrum einer Kette von fünf miteinander verbundenden Begriffen:

Echte authentische Bedürfnisse > unsere tiefsten Herzenswünsche > echte intrinsische Werte (die sowohl ewig sind, aber auch der Evolution unterliegen) > Rechte > Verantwortungen

 

All das formulieren wir im Center gerade, um auf allen Ebenen der Evolution zu zeigen, dass all das wirklich allgemein gültig ist. Das füllt ganze Bände unserer Great Library of CosmoErotic Humanism und sprengt den Rahmen dieses Artikels.

 

Hier will ich nur auf ein paar der ganz konkreten Anwendungen eingehen:

Man stelle sich eine Wirtschaft vor, die nicht mehr darauf aus ist, ständig neue Pseudo-Bedürfnisse und Pseudo-Wünsche zu wecken oder gar künstlich zu erzeugen, die uns im Endeffekt immer leer hinterlassen und in die Sucht treiben, sondern auf die Erfüllung unserer echten Bedürfnisse und tiefsten Wünsche, die uns eben auch zutiefst erfüllen.

 

Man stelle sich ein Rechtssystem vor, das darauf basiert, dass wir ein Recht auf all das haben, was wir wirklich brauchen und dass damit auch die Verantwortung einher geht, das zu schützen.

 

Wenn wir als Menschheit all das erkennen, so können wir ganz neue Arten von Systemen entwickeln (in der Wirtschaft, der Erziehung, den Regierungsformen, unserer Infrastruktur, der Technologie, etc.), die diese Prinzipien widerspiegeln und sich daran orientieren. Wir können von diesen Ur-Prinzipien und Ur-Werten ausgehend unser Leben, die Gesellschaft und die Welt neu imaginieren und gemeinsam kreieren.

 

Das ist ein "First Principles Thinking" (was ja durch Elon Musk und andere inzwischen in aller Munde ist), das diesen Namen wirklich verdient. Daher ist es so wichtig, diese Prinzipien und Werte zu formulieren und eingebettet in eine Geschichte der Werte zu verbreiten. Ja, mehr als das… Es ist das Einzige, was uns aus der heutigen existenziellen Krise befreien kann.

 

Nur wenn wir gemeinsam daran gehen, die Welt zu verändern, wenn wir dabei gemeinsam und individuell alles konfrontieren, alles lieben und alles transformieren, was uns von innen und außen begegnet, haben wir eine Chance, das zu tun, für was wir hier sind: Die Menschheit und die Erde vor den existenziellen Risiken zu schützen, die wir selbst über uns und die Erde gebracht haben und eine neue Welt zu erschaffen: eine Welt, die für alle funktioniert.

 

Ich bin jedenfalls dabei. 

Und Du?

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Fußnote:

[1] Und die daraus resultierenden Gewinn/Verlust-Metriken, Nullsummenspiele, Extraktionsmodelle und komplizierten Systeme ohne Anziehungskräfte zwischen ihren Teilen.

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